Sozialismusbewältigung Teil 12

Teil 12: Das Genozid der 68er: Sozialistischer Umerziehungsextremismus in Kambodscha

Josef Schüßlburner

„The heart-stopping difference between the Khmer Rouge and most of their revolutionary romantic contemporaries is that the Cambodians actually won and enforced their ideas“, so Elizabeth Becker in ihrem Buch: When the War was over. Cambodia’s Revolution and the Voices of its People, New York, 1986.

Die Hauptverantwortlichen für das sog. „Autogenozid“ (Volk bringt sich selbst um), d.h. vor allem Saloth Sar mit dem sozialistischen Kriegsnamen Pol Pot, wurden während ihres Paris-Aufenthalts im Umfeld der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF), deren Mitglieder sie überwiegend waren, politisch sozialisiert, wo sich schon die Ideologie der 68er zu bilden begann. Deren Kern bestand darin, als neue Linke konsequenter umzusetzen, wovor die etablierte alte Linke mittlerweile zurückgeschreckt ist. Es bot sich insofern schließlich der Maoismus an, da Mao mit der lizenzierten Anarchie in der etablierten Kommunistischen Partei selbst dieses linke Anliegen durchzusetzen suchte, nämlich den Rechtstenzen („Revisionismus“) im etablierten Sozialismus entgegenzutreten, die der Utopie entgegenstehen. Das diese Entwicklung vorbereitende geistige Klima der Pariser Jahre war geprägt vom Existenzialismus des Philosophen Jean-Paul Sartre, eines früheren KP-Mitglieds, der dann aber als Edelkommunist nach Bruch mit der Sowjetunion radikalere Richtungen bevorzugte, um dann als Weggefährte der französischen Maoisten seine Reise nach Stammheim zum deutschen RAF-Terroristen Andreas Baader anzutreten. „List, Lüge, vergossenes Blut und Diktatur sind gerechtfertigt, insofern sie die Herrschaft des Proletariats ermöglichen … Die marxistische Politik ist ihrer Form nach diktatorisch und totalitär. Doch diese Diktatur ist die Diktatur der Menschen, die am reinsten Mensch sind.“ Diese Erkenntnis des Philosophen Maurice Merleau-Ponty reichte für Pol Pot wohl aus, um „eines der brutalsten und radikalsten Staatsverbrechen des 20. Jahrhunderts“ durchzuführen. Pol Pot orientierte sich dabei an Mao, der schon in seiner früheren Kampagne, welche durch die „Kulturrevolution“ gesteigert werden sollte, anstelle der ursprünglich avisierten etwa 4000 Parteigegner über 550 000 Personen als `Rechtsabweichler´ zur ideologischen Umerziehung aufs Land geschickt hatte. Pol Pot schickte Mao übertreffend das ganze Volk aufs Land zur ideologischen Umerziehung, wohl weil das Volk insgesamt aus „Rechtsabweichlern“ bestand. Eine Annahme, die vergleichbar auch dem bundesdeutschen „Antifaschismus“ hinsichtlich der Deutschen zugrundeliegen dürfte.

Um diesen Klassenkampf auch gegen die Rechtstendenzen der etablierten Linken führen zu können, die einfach dem Heil der Menschheit entgegenwirkten, mußte die 68er-Bewegung zu einem Konglomerat von neuen Trägergruppen als Anstoß für die „Transformation der Gesellschaft“ (gemeint: Einkehr der Utopie) greifen, nämlich nach der fachgeschulten neuen Arbeiterklasse, der jungen Intelligenz, gesellschaftlichen Randgruppen, aber vor allem – als Neuausprägung des „dritten Reichs“ im Sinne von Fiore – die „Dritte Welt“ als „Weltproletariat“. Den 68ern dieser Dritten Welt kam dies ohnehin entgegen, da dort das klassische Proletariat weitgehend fehlte, so daß man, wenn man nicht abwarten konnte (was der geborene Revolutionär niemals schafft), bis über die Industrialisierung ein derartiges Proletariat entstehen würde, andere Kollektive als Agens des Fortschritts finden mußte. Das Bemerkenswerte daran ist, daß die Antikolonialisten dieser „Dritten Welt“, wie etwa Pol Pot, im Zweifel das als Agens des Fortschritt fanden, worauf eine Generation früher der europäische Faschismus gekommen war, zu dem man eben als Sozialist mehr oder weniger zwingend gelangte, wenn man die „Arbeiterklasse“ durch die „(proletarische) Nation“ als Agens dieses Fortschritts zur Utopie ersetzte. Dies erklärt zum einen die rassistischen Tendenzen im Pol-Pot-Sozialismus und zum anderen die (links-)faschistische Mentalität, die sich bei deutschen 68ern etwa mit ihrer Bewunderung für Ernesto „Che“ Guevara zeigte.

Zu den besonderen Bedingungen, die dann in Kambodscha den Versuch der Erschaffung des perfekten Sozialisten mit entsprechenden Kollateralschäden möglich machten, gehört das Gefühl eines bis zum Selbsthaß gehenden Minderwertigkeitsgefühls, das in der kambodschanischen Mentalität seit dem Niedergang von Angkor eingeprägt zu sein scheint. Allein dies kann erklären, weshalb es etwa in Vietnam, dem zentralen Kriegsgebiet, nach dem von den 68ern erwünschten Sieg des Kommunismus nicht zu derartigen Entwicklungen gekommen ist, auch wenn der linke Totalitarismus auch dort nicht folgenlos blieb, wofür das Schlagwort „boat people“ steht.

Bei deutschen 68ern, die in Form etwa des KBW und ähnlicher Politsekten mit Pol Pot durch Spenden und Unterstützer-Aufrufen verbunden waren, liegt eine ähnliche Mentalität vor, die sich aus der „Bewältigung“ und der damit verbundenen Pflege der Minderwertigkeit der Deutschen ergibt, was dazu führt, daß diese Humanisten auch nicht geringste Empathie hinsichtlich der genozidalen Deutschenvertreibung zeigten. Vielmehr zeigte sich als Folge der 68er Mentalität antideutscher Rassismus, wonach es in „der … Deutschen Frage (gemeint: Verwirklichung des demokratischen Nationalstaatskonzepts in Deutschland, Anm.) … zum umgekehrten Rassismus keine moralische Alternative“ gäbe: „Nein, wenn überhaupt geschossen werden muß, dann auf Deutsche beziehungsweise, wenn von Deutschen noch jemals geschossen werden darf, dann nur auf seinesgleichen.“ Diese Mentalität knüpft an der linken Gnadenlosigkeit eines Karl Marx an. Dieser hatte für ein Volk, das vor dem „Fortschritt“ versagt hat, nicht mehr viel übrig. Ein Volk, das den Weltkrieg verloren hat, bei dem nach seinem Mitstreiter Friedrich Engels ganze „reaktionäre Völker vom Erdboden verschwinden“, ist historisch widerlegt und es stellt dann kein Problem dar, wenn es vom „Fortschritt“, d.h. von Siegermächten annektiert, vertrieben und auch ausgelöscht wird. Oder wenn es sich eben als ungeeignet herausstellt zur Erschaffung des perfekten Sozialisten, was einem hohen Humanitätsideal geschuldet war.

Immerhin konnten die westdeutschen 68er ihren Feinden nur mit der „Fischmehlfabrik“, also mit der Einweisung ins KZ, drohen. Von ehemaligen Protagonisten wird dabei bestritten, daß mit dieser Formel ein Vernichtungslager angedroht wurde, sondern es wird als Androhung eines Arbeitslagers, also als Anordnung von abstoßender und beschwerlicher Zwangsarbeit interpretiert; als ob die Androhung von KZ-Verbringung nicht schon schlimm genug wäre – und ob aus einem Arbeitslager nicht doch ein Vernichtungslager wird, hängt dann wohl von selbst auferlegten Zwängen einer sozialistischen Umerziehungspolitik ab, denen sich etwa das Pol Pot-Regime unterwarf. Sicherlich müssen dann noch weitere Umstände hinzukommen, damit sich sozialistische Diktatursysteme in eine Genozid-Politik treiben, obwohl – wie etwa die Sowjetunion nach dem Tode des großen, insbesondere in der sowjetbefreiten Linksdiktatur „DDR“ verehrten Führers Stalin – zeigt, diese Linksdiktaturen schließlich auch ohne Massenmord Bestand haben konnten. Linksextreme Elemente können ja sogar in einer Demokratie Erfolg haben, wo der Selbsthaß dann die Form von Wertepropaganda annimmt, indem man im üblichen linken Humanitarismus, welcher automatisch den zu bekämpfenden Unmenschen generiert, den Menschen gegen den Deutschen setzt, zumindest den Kampf gegen Rechts führt (wobei im Zweifel der Deutsche an sich rechts ist): Dies stellt das Vermächtnis der (deutschen) 68er dar. Mit Radikalisierungspotential, was sich mit der Parole abzeichnet: „Menschen-Rechte statt rechte Menschen“. Um Menschenrechte zu verwirklichen, müssen rechte Menschen verschwinden! Wie macht man das?

Hinweis
Der vorliegende Beitrag stellt eine Ergänzung zum Werk des Verfassers dar:

Josef Schüßlburner
Roter, Brauner und Grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus,
2008, Lichtschlag Medien und Werbung KG, 24,80 Euro
ISBN-10: 3939562254, ISBN-13: 978-3939562252
Dieses Buch ist im März 2015 in unveränderter 3. Auflage wieder erschienen und nunmehr auch in einer Kindle-Edition für 6,99 Euro erhältlich. Erhältlich auch hier

Dieses Werk fordert eine umfassende Sozialismusbewältigung, die sich nicht nur auf die Bewältigung des (deutschen) Nationalsozialismus beschränken darf. Dieser Radikalfaschismus ist natürlich in die Sozialismusbewältigung einzubeziehen, weil sonst Phänomene wie Pol Pot und die (deutschen) 68er verkannt würden.

„Sozialismusbewältigung Teil 12“