Sozialismusbewältigung Teil 14

Teil 14: Die „Große chinesische Kulturrevolution“ als Vorbild der deutschen 68er: Der Kannibalismus der sozialistischen Haßkultur

Josef Schüßlburner

„Lange Zeit hielt man im Westen die Roten Garden für Verwandte, ein wenig fanatischere freilich, ihrer Zeitgenossen, der revoltierenden Studenten von 1968“ (so die Aussage im „Schwarzbuch des Kommunismus“). Offensichtlich kann danach diese Einschätzung jedoch nicht stimmen, weil „seit dem Sturz der Vier von Shanghai … die Roten Garden in China als quasi-faschistische Hilfstruppen einer Bande politischer Abenteurer“ gelten, obwohl sich diese „Rebellen“ als „gute maoistische Kommunisten“ verstanden, „denen jegliche Vorstellung von Demokratie und Freiheitlichkeit denkbar fern war.“ Was dann wiederum, so wohl die unterstellte Schlußfolgerung, bei den europäischen 68ern ganz anders war. Diese Schlußfolgerung ausgerechnet in dem dem Kommunismus sehr kritischen „Schwarzbuch“ befremdet, weil sich doch gerade Mao auf das demokratische Recht zum Widerstand und von Meinungsfreiheit als Ausgangspunkt der „Kulturrevolution“ berufen hatte, ist doch die Volksrepublik China der „demokratischen Diktatur des Volkes“ verpflichtet. Selbstverständlich ist mit dieser Art von Demokratie nicht die „freiheitliche demokratische Grundordnung“ gemeint, aber war diese Grundordnung bei den deutschen 68ern gemeint, wenn sie von „Demokratisierung“ schwadronierten?

Es kann doch in der Tat festgehalten werden, daß für die 68er weltweit, aber vor allem für ihre besondere bewältigungsextremistisch ausgerichtete bundesdeutsche Variante die chinesische Kulturrevolution der maßgebliche ideologische und auch aktionistische Bezugspunkt war. Dies hat unter den Protagonisten etwa Rainer Langhans zumindest rückblickend bestätigt, indem er von den Vorbildern und theoretischen Konzepten der (deutschen) 68er eigentlich nur die chinesische Kulturrevolution gelten ließ. Als wesentliche Erklärung für das Phänomen, daß sich Jugendliche in westlichen Wohlstandsstaaten ein äußerst zweifelhaftes zeitgenössisches Ereignis in einem damals sehr unterentwickelten, armen und äußerst tyrannisch regierten asiatischen Land als zentralen Bezugspunkt als Beleg für ihre Demokratieanhänglichkeit auserkoren, kann angeführt werden, daß diese „Kulturrevolution“ ein grundlegendes Dilemma der politischen Linke zu lösen versprach. Auch im Sozialismus mußte der Klassenkampf geführt werden, wozu man „Rechtsrevisionisten“ zu einer Klasse macht, die bis in den Kannibalismus gehend, beseitigt werden müßte, um die menschliche Entfremdung zu überwinden. Die chinesische Kulturrevolution fraß sich mit ihrer sozialistischen Haßkultur dann gewissermaßen selber auf, weil dann schließlich auch die Linke als „rechts“ ausgemacht werden mußte, um noch Klassenkampf führen zu können.

Die Bewältigung der deutschen 68er-Linken hinsichtlich ihres maoistischen Bezugs steht noch aus, obwohl dies den Prämissen der amtlichen Bewältigungspolitik dringend geboten wäre: Auch die zwischenzeitlich im bundesdeutschen Politbetrieb nachhaltig etablierten 68er, die ihre maoistische Vergangenheit gerne verdrängen, hantieren mit Phrasen von Demokratie und Meinungsfreiheit, beschränken dies jedoch auf ihre Anliegen, um dies ihren rechten Gegnern, die sie selbstverständlich als Feinde ansehen, dem Ansatz von Führer Mao entsprechend nachhaltig zu verwehren (da Demokratie und Meinungsfreiheit ja nicht „mißbraucht“ werden dürfen). Dies geschieht mit der Faschismuskeule (Knütter). Damit soll dann vor allem erreicht werden, daß der propagierten Deutschfeindlichkeit der 68er-Nachfolgegeneration angemessen entgegengetreten werden kann, nämlich, daß es sich hier um ein modifiziertes Aufgreifen der rassistische konnotierten Klassenkampftheorie der maoistischen Kulturrevolution handelt. Als zu bekämpfende und letztlich abzuschaffende Klasse werden dabei im ideologischen Klassenkampf der exmaoistischen Antifaschisten „die Rechten“ ausfindig gemacht, die im maoistischen Sinne stellvertretend für die Deutschen an sich stehen, denen die falsche Abstammung von „Faschisten“ diskriminierend vorgehalten wird. Slogans, die bereits einen offiziellen Status erreicht haben, wie „Menschenrechte statt rechte Menschen!“ machen klar, daß die antifaschistische Linksdemokratie sich die Verwirklichung der Menschenrechte völlig Maoismus-konform in der Weise vorstellt, daß rechte Menschen, was im Zweifel Deutsche als solche sind, verschwinden. Dies erklärt neben zahlreichen anderen eine bestimmte „Willkommenskultur“, die sicherlich nicht Deutschen gilt, sondern dem linken Rassismus entsprechend anderen Menschen.

Die maoistische Kulturrevolution sollte für BRD-Antifanten auch eine Warnung sein: Selbst wenn man alles „Rechte“ ausgeschaltet hat, wird die sozialistische Haßkultur unter der Linken Rechte ausmachen, die kannibalisiert werden. Will daher die politische Linke nicht – zumindest metaphorisch (haßkulturell) – verspeist werden, ist ihr zu empfehlen, rechtzeitig zu akzeptieren, daß es halt rechte politische Positionen gibt, die in einer Demokratie völlig legitim sind. Vielleicht kann diese Erkenntnis durch Bewältigung des Sozialismus, insbesondere des Maoismus (und sicherlich auch des Nationalsozialismus) erreicht werden.

Hinweis
Der vorliegende Beitrag stellt eine Ergänzung zum Werk des Verfassers dar:

Josef Schüßlburner
Roter, Brauner und Grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus,
2008, Lichtschlag Medien und Werbung KG, 24,80 Euro
ISBN-10: 3939562254, ISBN-13: 978-3939562252
Dieses Buch ist im März 2015 in unveränderter 3. Auflage wieder erschienen und nunmehr auch in einer Kindle-Edition für 6,99 Euro erhältlich. Erhältlich auch hier

Dieses Werk fordert eine umfassende Sozialismusbewältigung, die sich nicht nur auf die Bewältigung des (deutschen) Nationalsozialismus beschränken darf. Dieser Radikalfaschismus ist natürlich in die Sozialismusbewältigung einzubeziehen, weil sonst Phänomene wie Mao und die (deutschen) 68er und deren Kampf gegen Rechts nicht hinreichend verstanden werden könnten.

„Sozialismusbewältigung Teil 14“